Stromausfall in Gütersloher Rechenzentrum sorgt für zahlreiche Ausfälle bei Telefon, Internetzugang und großer Websites

Am Samstagmorgen, dem 21. November 2015 meldeten zahlreiche Internetnutzer – besonders aus Ostwestfalen, Münsterland und dem Ruhrgebiet – Störungen ihrer Telefonie (Mobilfunk und Festnetz) und Internetzugänge (Mobilfunk und Festnetz/DSL) bei O2 und Resellern oder Marken wie 1&1, E-Plus oder Fonic.

Weiterhin waren zahlreiche deutschsprachige Websites weltweit nicht erreichbar, zum Beispiel von großen Medien wie Spiegel Online, Focus Online, blick.ch, wetter.com, Maxdome, fussball.de, tv-spielfilm.de, und viele mehr.

Ostwestfälische Telekommunikationsinfrastrukturapokalypse

Gegen Mittag wurde bekannt, daß ein Stromausfall in einem Rechenzentrum in Gütersloh Ursache für die Ausfälle war. Bei dem Stromausfall, wohl nach Wartung der Unterbrechungsfreien Stromversorgung, wurde ein Switch für die Internetanbindung nach Außen beschädigt (ein Lichtwellen-Multiplexer (LWL-Multiplexer)) und mußte ausgetauscht werden, woran noch bis in den Samstagabend gearbeitet wurde. Gleichzeitig wurden viele Websites in andere Rechenzentren umgezogen bzw. über eine andere Internetanbindung verfügbar gemacht, womit sie am Nachmittag wieder erreichbar waren.

Bei dem Rechenzentrum handelt es sich um eines der größten in Europa, welches in den 1990ern von Mediaways aufgebaut wurde. Mediaways gehörte zu Bertelsmann, schon damals wurden dort viele Online-Medien gehostet. Im Jahr 2001 wurde Mediaways an Telefonica verkauft – O2 und E-Plus gehören zu Telefonica. Das Hosting-Geschäft der Telefonica Germany Online Services GmbH (TOS) und damit das Rechenzentrum wurde 2013 von Host Europe übernommen (Marke Plusserver). Betrieben wird das Rechenzentrum von der zu Bertelsmann gehörigen Arvato Systems.

Der O2-Reseller Easybell berichtete auf seiner Störungswebsite und auf Twitter, daß ein beschädigtes Glasfaserkabel zwischen Bielefeld und Düsseldorf für die Ausfälle in den Postleitzahlbereichen 3, 4 und 5 verantwortlich sei. Laut O2 auf ihrer Facebookseite war für die Ausfälle bei O2 der Stromausfall und Schaden im Rechenzentrum Gütersloh Ursache.

Medienberichte

Nachtrag vom 2015-11-24: Spiegel Online berichtet über seinen Ausfall:

Bei teltarif.de gibt es Hintergründe zum Ausfall:

Die Neue Westfälische Gütersloh hat einen Artikel nachgeschoben:

Auch Freifunk Gütersloh hat einen Teil seiner Infrastruktur in dem Rechenzentrum und war vom Ausfall betroffen:

Internet-Breitbandausbau in Bad Oeynhausen

Vorwahl 05731: VDSL mit Vectoring der Deutschen Telekom ab 9. November

Ein halbes Jahr lang hat die Deutsche Telekom 129 Kabelverzweiger (von 188 insgesamt) im Telefonvorwahlbereich 05731 in Bad Oeynhausen und Löhne zu Outdoor-DSLAMs aufgerüstet und 80 Kilometer Glasfaster zwischen diesen Multifunktionsgehäusen und den Vermittlungsstellen gelegt.

Damit wird VDSL realisiert: Anstatt einer langen Kupferleitung aus der Vermittlungsstelle über den Kabelverzweiger über die Teilnehmeranschlußleitung zum Hausanschluß verkürzt sich das dämpfungsanfällige Kupferkabel auf die Strecke zwischen Outdoor-DSLAM (ehemaligem Kabelverzweiger) und Hausanschluß. Damit wird die Internetgeschwindigkeit erhöht.

Außerdem wird das Vectoring-Verfahren verwendet, welches Störungen auf den Leitungsbündeln vermindert. Das funktioniert aber nur für kurze Entfernungen (einige hundert Meter) zwischen Outdoor-DSLAM und Hausanschluß.

Deshalb werden sicher nicht alle Interessierten die in der Werbung versprochenen Geschwindigkeiten von 50 oder gar 100 Megabit pro Sekunde erreichen können. Auch ist es für Vectoring notwendig, daß alle Leitungen eines Bündels von genau einem Telekommunikationsanbieter geschaltet werden. Konkurrenzunternehmen der Telekom müssen somit einen Bitstromzugang bei der Telekom mieten.

Der Testbetrieb wurde nun beendet. Ab Montag, dem 9. November 2015 können die erhöhten Internetgeschwindigkeiten durch VDSL und Vectoring genutzt werden – wenn ein entsprechender Vertrag abgeschlossen wurde.

Auch die Verfügbarkeitsprüfung der Telekom, wo man sehen kann, welche Geschwindigkeiten und Verträge an seiner Anschrift ungefähr möglich sind, wurde nun aktualisiert: Verfügbarkeitsprüfung der Deutschen Telekom.

Erfahrungsgemäß erhält man an der Telefonhotline der Telekom, im Ladengeschäft und auch auf der Website immer wieder unterschiedliche Angaben. Hier sollte man mehrfach nachfragen und sich Angaben wenn möglich schriftlich geben lassen.

Ist man Kunde bei einem Konkurrenten der Deutschen Telekom, sollte man bei ihm nachfragen, ob sich auch dort die Internetgeschwindigkeit mittels VDSL und womöglich auch Vectoring (Bitstromzugang) jetzt nach dem Ausbau erhöhen läßt.

Bitte auch beachten, daß die Deutsche Telekom Telefonanschlüsse mit ISDN und analog abschafft und man mit einem Vertragswechsel auf Voice over IP umgestellt wird (was spätestens 2018 sowieso geschehen wird).

Sollte man trotz des VDSL-Ausbaus immer noch zu geringe Bandbreite an seinem Anschluß haben, könnte man einen Hybrid-Vertrag der Telekom nutzen, in dem sie mit geringem Aufpreis für die Hardware (Zugangsrouter) die Unterstützung des kabelgebundenen Internetzugangs per LTE-Funk anbietet.

Ausführliche Informationen auch im Blogeintrag über die Infoveranstaltung vom 11. Mai.

Vorwahl 05734: Ausbau erfolgt, nutzbar im ersten Quartal 2016

Auch im Telefonvorwahlbereich 05734 in Volmerdingsen und Wulferdingsen baut die Deutsche Telekom 19 Kabelverzweiger zu Outdoor-DSLAMs aus und verlegt 21 Kilometer Glasfaser von der Vermittlungsstelle zu den Multifunktionsgehäusen, um auch dort VDSL und Vectoring für Downloadgeschwindigkeiten bis zu 100 MBit/s zu realisieren.

Die Arbeiten haben im August 2015 begonnen. Etwa 2800 Haushalte sollen im ersten Quartal 2016 versorgt werden. Das berichteten die Neue Westfälische und das Westfalen-Blatt am 19. August 2015 (Artikel nicht online).

Aktion des Kabelanbieters UnityMedia

Unterdessen gab es eine Aktion des Kabelnetzanbieters UnityMedia, bei der er einen Teil der Kosten übernimmt, wenn ein Haus an ein bereits in der Straße liegendes TV-Koaxialkabel angeschlossen werden soll, womit Internetgeschwindigkeiten bis zu 200 MBit/s erreicht werden können sollen.

Pressemitteilung von UnityMedia (PDF) vom 2015-10-22.

Freifunk Bad Oeynhausen

Wer nun an seinem Internetanschluß viel höhere Geschwindigkeiten erreicht, mag jetzt vielleicht einen Teil davon für Gäste, Besucher, Passanten mittels Freifunk-Router einfach, günstig und rechtlich problemlos zur Verfügung stellen.

Bei wem der VDSL+Vectoring-Ausbau keine Auswirkungen hatte, kann möglicherweise mit Richtfunktechnik, wie sie auch bei Freifunk verwendet wird, bei Leuten mit schnellem Internet etwas Bandbreite in Anspruch nehmen, wenn man es schafft, entsprechende Richtfunkstrecken aufzubauen.

Mehr Informationen zu Freifunk auf www.freifunk-badoeynhausen.de.


Nachtrag vom 2015-11-10: Die Neue Westfälische berichtet über den Start des VDSL+Vectoring-Betriebs der Deutschen Telekom. Leider wird nicht darauf hingewiesen, daß die beworbenen hohen Geschwindigkeiten eher theoretische Werte sind und für viele Nutzer deutlich geringer ausfallen werden.

  • Neue Westfälische Bad Oeynhausen:
    Ab sofort viel schneller ins Internet
    – Ausbau beendet: Telekom hat 80 Kilometer Glasfaser verlegt und 129 Multifunktionsgehäuse neu aufgestellt; 2015-11-10